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03.05.2012

Einsatz für unseren Gefangenen

Abdulaziz Dadakhanov

Er wird in diesem Jahr 32 Jahre alt, er ist verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn. Im Augenblick verbüßt er eine 8-jährige Haftstrafe in einem schweren Arbeitslager in Navoi, Usbekistan. Ihm wird vorgeworfen, in seinen Beiträgen in der bis 2008 offiziell anerkannten Studentenzeitung Irmoq („Frühling“) Informationen verbreitet zu haben, die die öffentliche Sicherheit gefährden. Außerdem habe er finanzielle Unterstützung einer verbotenen islamischen Gruppierung erhalten.

Helfen Sie uns bitte, seine Freilassung zu erreichen (Petitionen)

Nach Studien in den USA arbeitete A.D. am „Center for Intellectual Youth“, das 2005 in „Center for Intellctual Projects“ umbenannt wurde. Die Mitarbeiter hofften so, die Angst der Regierung vor einer Jugendbewegung zu zerstreuen, denn das Zentrum wuchs schnell und stellte eine Anlaufstelle für Tausende Studenten dar: sein Schwerpunkt war der Fremdsprachenunterricht, die Vermittlung usbekischer Studenten an Auslandsuniversitäten, kultureller Austausch und Workshops zu Menschenrechtsthemen wie Menschenhandel und Diskriminierung von Frauen. Diese Aktivitäten zogen bald die Aufmerksamkeit des Nationalen Sicherheitsdienstes auf sich.

2006 wurde A.D. Direktor der größten Zweigstelle des Zentrums und schrieb in dieser Rolle Artikel für Irmoq, der studentischen Zeitung des Centers. Die usbekischen Staatsbehörden hatten die Zeitschrift genehmigt, da keine politisch verdächtigen Inhalte festgestellt werden konnten.

Im August 2008 wurde die Zeitschrift plötzlich verboten, das Center geschlossen und A.D. sowie vier weitere Lehrer und Irmoq-Autoren verhaftet. Sie wurden beschuldigt, durch die religiöse Bewegung NUR („Strahl des Lichts“) gefördert zu werden. NUR folgt den Lehren des türkischen Philosophen Said Nursi, der einen gemäßigten Islam vertritt.

Das Gerichtsverfahren und die Verurteilung von A.D. stützen sich auf Artikel 244-1 und 244-2 des usbekischen Strafgesetzes, die die Verbreitung von extremistischen , separatistischen und fundamentalistischen Ideen sowie Gründung, Führung oder Mitgliedschaft in einer solchen Organisation unter Strafe stellt.

Das Verfahren gegen die Angeklagten entsprach in keiner Weise internationalen Standards und war im höchsten Maße unfair. Weder wurde den Foltervorwürfen nachgegangen, unter denen Schuldbekenntnisse zustande gekommen sein sollen, noch war das Gericht bereit, offizielle Vertreter des Komitees für religiöse Angelegenheiten oder sachverständige Gutachter vorzuladen, um festzustellen, inwiefern die Artikel in Irmoq staatsgefährdend sind. Während des Prozesses strahlte das usbekische Fernsehen mehrfach eine Dokumentation aus, in der die NUR-Bewegung als Gefahr für die usbekische Gesellschaft dargestellt und die Angeklagten der Mitgliedschaft bezichtigt wurden.

Die Berufung A.D.s gegen die 8-jährige Haftstrafe in einem Arbeitslager wurde im April 2009 zurückgewiesen. Die Haft im Arbeitslager von Navoi stellt durch überfüllte Baracken, Tuberkulose, lange Schichten an schwerem Gerät und Arbeiten in chemischen Fabriken ein hohes Gesundheitsrisiko dar Berichten nach kommt es zu Folterungen und Misshandlungen vor allem an Mitgliedern verbotener religiöser Gruppierungen. Beten sowie der Besitz religiöser Texte sind verboten.

Im Jahre 2009 wurden in einer Serie unfairer Gerichtsverhandlungen mehrere mutmaßliche Anhänger des türkisch-muslimischen Theologen Said Nursi verurteilt. Ihnen allen wird Mitgliedschaft in oder Gründung einer illegalen religiösen Organisation vorgeworfen. Unabhängigen Religionsexperten zufolge verfolgt Said Nursi eine moderate und gewaltlose Auslegung des Islam.